Historie

Die Nacht von Montag auf Dienstag nach dem Kirchweihfest im Jahre 1675 markiert die wohl schwärzesten Stunden in der bis dahin schon 800-jährigen Geschichte von Ober-Bessingen: Weil ein Bauer namens Ruppel, so sagt es die Chronik, abends in seiner Scheune mit offenem Lich hantiert hatte, entfachte sich des nachts ein Feuer. Für das eng auf eng erbaute Dorf mit seinen zahlreichen Hofreiten und Scheunen wurde es ein wahres Inferno. Als der Morgen graute, waren 62 Gebäude ein Raub der Flammen - und auch das 80 Jahre zuvor erbaute Torhaus lag in Schutt und Asche. Einzig das Haus Ortsstraße 32 überlebte das Inferno. Die nur sechs Jahre zuvor, im Jahr 1669, eingehängten Glocken und das nagelneue Uhrwerk im Turm der Pforte fielen den Flammen ebenfalls zum Opfer.

Nach dieser Katastrophe dauerte es über hundert Jahre, bis die Ober-Bessinger sich 1782 ein neues Torhaus für die Gemeinschaftszweck des Dorfes errichten konnten. Das Gebäude bildete wie sein Vorgänger den Abschluss der nach Südosten laufenden alten Hauptstraße - heute „Ortsstraße“. Das Tor konnte bei Nacht geschlossen werden.

Das Torhaus, die „Pforte“, wie die Bessinger sagen, diente als Schulhaus, Rathaus mit Standesamt, Amtssitz des Bürgermeisters und im Erdgeschoss als Feuerwehrhaus und Lagerraum von Pfadfindern. Der kleine Saal im 1. Stock diente nach dem Ende der Kaiserzeit auch als Wahllokal.

1988 erfolgte eine erste grundlegende Renovierung: Für 27.000 DM wurde das Dach neu eingedeckt, und für 25.000 DM wurden neue Fenster eingebaut. 1995 wurde die kupferne Wetterfahne erneuert. Die alte Wetterfahne aus Zink, zuletzt 1953 restauriert, war von der Witterung zerstört, und einzelne Teile fielen herunter. Die Firma Walz aus Lich erklärte sich bereit, eine neue Wetterfahne anzufertigen. In über 20 Stunden Handarbeit schmiedete und hämmerte Walz-Mitarbeiter Willy Hettrich die neue kupferne Wetterfahne. Diese wurde im Juli 1995 von den Feuerwehrleuten Herbert Müller (früherer Wehrführer) und Michael Noll (Licher Feuerwehrkamerad) in schwieriger Arbeit auf dem Turm angebracht. Die Fahne hält noch heute der Witterung stand und kann auf dem Turm begutachtet werden.

Genutzt wurde die Pforte inzwischen nur noch zu Wohnzwecken, wenn es auch in den kleinen Räumen mit ihren niedrigen Decken sicherlich sehr beengt zuging. Trotz allem sind dort zuletzt acht Kinder großgezogen worden. Wenige Jahre nach der Jahrtausendwende allerdings zog auch der letzte Bewohner aus dem Haus aus, und seitdem stand die Pforte leer.